Journaling nutze ich schon seit mehreren Jahren täglich, um Klarheit und Struktur in meine Gedanken zu bringen und mir Ziele zu setzen. Bislang habe ich vor allem abends geschrieben. Vor gut vier Wochen habe ich dann einen Selbstversuch gestartet und jeden Tag mit den Morgenseiten begonnen. In diesem Artikel erkläre ich dir, was genau die Morgenseiten sind, wie sie funktionieren und welche Erfahrungen ich damit gemacht habe.

Was sind Morgenseiten?

Bei den Morgenseiten handelt es sich um eine Schreibroutine, die du am besten täglich direkt nach dem Aufstehen vornimmst. Entwickelt wurde das Konzept der Morgenseiten von der amerikanischen Autorin Julia Cameron. Erstmalig beschrieben hat sie die Methode in ihrem Buch „The Artist’s Way“.

Was bringen Morgenseiten?

Die Morgenseiten sind eine Form des kreativen beziehungsweise intuitiven Schreibens. Sie helfen dir dabei, negative Gedanken loszulassen, achtsamer in den Tag zu starten und mehr Klarheit in das Chaos im Kopf zu bekommen. Darüber hinaus sind sie eine ideale Möglichkeit, um Schreibblockaden zu lösen und dein kreatives Potenzial freizusetzen.

Wie funktionieren Morgenseiten?

Morgenseiten sind so effektiv wie einfach: Du brauchst lediglich einen Stift, drei leere Blätter im Format DIN A4 – und Zeit. Etwa 30 Minuten solltest du dir nehmen. Wie lange du für die Übung aber tatsächlich brauchst, hängt davon ab, wie schnell du schreibst. Denn die Morgenseiten solltest du erst dann beenden, wenn du alle drei Seiten handschriftlich vollgeschrieben hast. Was du schreibst, ist dir überlassen. Hauptsache, du denkst nicht zu viel nach und bleibst die ganze Zeit im Schreibfluss, bis du die drei Seiten gefüllt hast.

Morgenseiten – meine Erfahrung

Wie bereits einleitend geschrieben, habe ich als begeisterter Journaling-Fan und Wortliebhaberin zwar schon lange eine feste Schreibroutine. Tagebuch und Journal schreibe ich aber vornehmlich abends. In meiner Morgenroutine war das Journaling bislang kein fester Bestandteil. Das habe ich vor gut einem Monat geändert.

Weil ich so viel Positives über die Wirkung der Morgenseiten gehört habe, wollte ich die Schreibmethode selbst einmal ausprobieren – jeden Morgen direkt nach dem Aufstehen, rund 30 Minuten, 28 Tage lang.

Am ersten Tag war ich ehrlich gesagt etwas skeptisch, ob das Ganze bei mir seine Wirkung zeigen würde. Warum? Weil mir Effizienz wichtig ist. Zeit ist kostbar, ich möchte sie sinnvoll nutzen. Und effizient kamen mir die Morgenseiten irgendwie nicht vor: Eine halbe Stunde irgendetwas schreiben, egal was, Hauptsache schreiben? Da müsste es doch effektivere Methoden geben, um in den Flow zu kommen und positiv in den Tag zu starten?

Meine Skepsis hat sich auch in den ersten Sätzen meiner allerersten Morgenseiten widergespiegelt. Sie lauten wie folgt:

Heute ist der erste Tag, an dem ich meine Morgenseiten schreibe. Ich bin gespannt, weiß aber ehrlich gesagt nicht so recht, ob das wirklich die richtige Methode für mich ist. Das kommt mir alles etwas ineffizient vor. Kann ich meine Zeit nicht sinnvoller nutzen? Noch schlafen alle. Ich könnte so viel Wichtiges erledigen!

Meine Gedanken drehen sich noch eine ganze Weile weiter um die Sinnhaftigkeit der Morgenseiten. Das lag auch daran, dass mir einfach nichts anderes einfiel, über das ich hätte schreiben können.

Kurz versuchte ich mich an einer Liste mit Ideen für spannende Blogbeiträge. Das habe ich dann aber schnell wieder aufgegeben. Denn weil man den Schreibprozess ja nicht unterbrechen soll, blieb mir zu wenig Zeit zum Denken. Ich fühlte mich plötzlich gestresst und gehetzt und spürte förmlich, wie mein Puls anstieg. Sollten die Morgenseiten nicht eigentlich dazu dienen, positiv und achtsam in den Tag zu starten? Bei mir schien das Gegenteil der Fall zu sein.

Und dann hat es Klick gemacht…

Ich sinnierte also erneut darüber, dass mir diese Schreibmethode ja so gar nicht gefiel. Doch dann machte es innerlich plötzlich „Klick“ bei mir: Wenn ich schon rund 30 Minuten täglich mit einer Schreibübung verbringen würde, warum die Zeit dann nicht nutzen, um mir Gedanken über Dinge zu machen, die mich fröhlich stimmten und für die ich mir sonst kaum Zeit nahm? Denn ganz ehrlich: Das Unproduktivste, was ich tun konnte, war, weiterhin darüber zu philosophieren, wie ich mit den Morgenseiten meine Zeit vergeudete.

Ich schrieb also alles auf, was mir an Schönem und Guten einfiel – ähnlich wie man es ja auch im Glücks- oder Dankbarkeitstagebuch macht. Zusätzlich dachte ich mir aber einfach noch Dinge aus, über die ich mich freuen würde, wenn sie heute passierten. Ich wurde kreativ – und zwar so richtig. Anders als bei meinem „richtigen“ Journaling, das ich vor allem nutze, um mir Ziele zu setzen und Klarheit zu verschaffen, fabulierte ich bei den Morgenseiten ganz frei drauflos. Schließlich gab es ja keine Regeln und auch kein Ziel, außer eben die drei Seiten zu füllen.

Auch in den folgenden Tagen und Wochen nutzte ich die Morgenseiten, um einfach drauflos zu schreiben. Häufig schrieb ich dabei nicht über tatsächliche Geschehnisse, sondern über frei Erfundenes. Manchmal kamen sogar richtige Kurzgeschichten dabei heraus. Ich schrieb plötzlich wieder Fiktionales – etwas, was ich seit meiner Jugend nicht mehr gemacht hatte! Eine großartige Erfahrung!

Wirkung und Effekte der Morgenseiten

So skeptisch ich am Anfang war, so begeistert war ich ganz schnell von den Morgenseiten. Es fiel mir definitiv nicht immer leicht, morgens eine gute halbe Stunde früher aufzustehen extra fürs Schreiben. Aber: Es hat sich gelohnt – jedes Mal. Vor allem an den Tagen, an denen ich eigentlich keine Lust zum Schreiben hatte.

Welche Wirkung die Morgenseiten auf mich hatten? Diese drei Dinge sind mir besonders positiv aufgefallen:

Ich wurde kreativer

Was die Methode der Morgenseiten so besonders macht, ist, dass du durch das intuitive Schreiben deinen inneren Kritiker ausschaltest. Weil dein Ziel eben nicht ist, möglichst schöne, kluge Sätze zu formulieren, sondern einfach nur drei Seiten voll zu schreiben. Da bleibt schlicht keine Zeit, dir Gedanken über das Geschriebene zu machen und jedes Wort oder jeden Gedankengang abzuwägen und zu prüfen. Was mich besonders begeistert hat: Dass ich nicht mehr nur Faktuales aufgeschrieben habe, sondern meiner Phantasie freien Lauf gelassen habe. Etwas, was ich beim beruflichen Schreiben kaum tue.

Ich wurde positiver

Viele nutzen die Morgenseiten, um sich ihre Ängste und Sorgen von der Seele zu schreiben und alles loszuwerden, was sie gerade stresst und belastet. Dieses Vorgehen kann sicherlich dazu beitragen, dass du dich im Anschluss daran positiver fühlst, weil du alles einmal aus dem Kopf bekommen konntest. Ich persönlich habe allerdings einen anderen Ansatz gewählt: Wie oben beschrieben, habe ich mich vornehmlich auf das Gute und Schöne fokussiert und vor allem Positives aufgeschrieben. Ich wollte jeden Tag mit einem Lächeln starten und die 30 Minuten, die ich mir extra für die Morgenseiten reserviert hatte, damit verbringen, positiv zu denken. Das Schöne daran: Die positive Energie spürte ich nicht nur während des Schreibens – sie blieb mir noch viele Stunden danach, manchmal sogar den ganzen Tag über, erhalten. Allein dafür lohnt es sich meiner Meinung nach, Morgenseiten zu schreiben!

Ich erkannte neue Lösungen für alte Probleme

Der dritte positive Effekt, den das Schreiben der Morgenseiten auf mich hatte: Ich habe für Herausforderungen und Probleme, die ich schon lange vor mir hergeschoben hatte, neue Lösungen gefunden. Denn weil ich ja wusste, dass ich in den kommenden 30 Minuten sowieso nichts anderes machen würde als zu schreiben, hatte ich eher die Muße, mich mit Dingen zu befassen, für die ich mir sonst nur ungern Zeit nahm. Und weil einer meiner Vorsätze war, möglichst positiv zu schreiben, befasste ich mich kaum mit dem Problem – sondern hauptsächlich mit der Lösung. Und weil ich keine Zeit zum Reflektieren hatte, habe ich auch sehr ungewöhnliche Lösungsansätze niedergeschrieben, die ich unter anderen Umständen wahrscheinlich schnell – vielleicht zu schnell – wieder verworfen hätte.

Bleiben die Morgenseite auch künftig Teil meiner Morgenroutine? Ein Fazit

Vorerst werde ich die Morgenseiten auf jeden Fall als tägliche Routine beibehalten. Sie haben so viele positive Effekte! Ich werde aber definitiv noch weitere Schreibmethoden testen und dabei vor allem schauen, ob es nicht doch eine Methode gibt, die noch effizienter ist. Denn 30 Minuten ist eben doch eine recht lange Zeit für meinen vollgepackten Morgen – und noch früher aufzustehen, das kommt für mich zumindest momentan nicht in Frage.

Gehören die Morgenseiten auch zu deiner täglichen Routine? Was gefällt dir an der Schreibmethode? Welche Erfahrungen hast du mit dieser Morgenroutine gemacht? Erzähle mir gerne davon in den Kommentaren oder schreib mir eine Mail. Ich freue mich auf Austausch!

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